Fakten + Analysen zum Ölmarkt
Ölmarktinfos und Prognosen zur Ölpreisentwicklung
Entwicklungen und Fakten
- Seit Jahresbeginn laufen im Iran umfangreiche Demonstrationen. Diese werden aber immer härter von der Mullah-Regierung niedergeschlagen. Inzwischen hat Trump Strafzölle verhängt. Letztlich drohen dem Iran sogar ein umfangreiches militärisches Eingreifen seitens der USA.
- Chinesische Raffinerien sind nahezu vollständig von Venezuelas schwerem Rohöl abgeschnitten. Kanadas saures schweres Rohöl ist die Alternative, als bester Ersatz für das venezolanische Merey-Rohöl.
- Venezuelas Ölförderleistung wird sich nicht binnen Monate hochfahren lassen. Es braucht viel Zeit und wird zig Milliarden kosten, die von den US-Ölmulties kommen sollen, so Trumps Ansinnen. Der US Ölmulti Chevron fördert in Venezuela derzeit ¼ Mio. Barrel Rohöl am Tag und sichert für die nächsten 2 Jahre eine 50% Steigerung zu.
- Der russische Ölkonzern Lukoil ist in gravierende Schwierigkeiten geraten. Die US-Sanktionen treffen Lukoils Auslandsgeschäfte in vollem Umfang. Deshalb ist Lukoil gezwungen seine Auslandstöchter und Beteiligungen bis Ende November verkauft zu haben. Der Interessent Gunvor hat allerdings zurückgezogen.
- Der Preisabschlag für russisches Urals Rohöl gegenüber Brent hat sich von -17% auf zuletzt -23% vergrößert. Laut Reuters sind die Erträge aus den Öl- und Gasexporten binnen Jahresfrist um rund 35% gesunken. Die Sanktionen zeigen verstärkt Wirkung und reißen ein gewaltiges Loch in Russlands Staatsfinanzen.
- Die EU-Staaten werden die Importe von russischem Gas bis Ende 2027 beenden. In rund zwei Jahren sollen die Gaslieferungen in die EU ausgelaufen sein und ein Importverbot greifen. Bei dem EU-Beschluss wurden die Slowakei und Ungarn, die noch viel Gas aus Russland beziehen, überstimmt.
- Die EU hat gegenüber Russland den Preisdeckel für Ölausfuhren verschärft, auf ein sich anpassendes Limit von 15 Dollar unterhalb des Weltmarktpreises. Der Preisdeckel ist mit 47,5 USD/Barrel gestartet.
- Kanada sucht sich für sein schweres Rohöl neue Märkte außerhalb der USA. Zukünftig soll sehr viel kanadisches Öl und Gas nach Europa und Japan gehen, vor allem aber auch nach China.
Markteinschätzungen
- Laut Reuters-Umfrage von Jahresbeginn erwarten die namhaften Analysten für 2026 die Brent Rohölpreise im Jahresdurchschnitt bei 61,3 Dollar je Barrel. Die US-Hauptsorte WTI wird bei 58,2 USD/B gesehen. Das entspricht einer um 2 Dollar niedrigeren Preiserwartung als bei der vorausgegangenen Umfrage.
- Im Nahen Osten flammen gleich mehrere Krisenherde auf: Im Iran könnte es schon bald wieder zu Angriffen durch Israel und die USA kommen. Auch im Jemen verschärft sich die Lage. Hier ist das Bündnis aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der jemenitischen Regierung faktisch auseinandergebrochen. Kontroversen zwischen den Opec-Größen Saudi-Arabien und die VAE reißen Gräben auf.
- Goldman Sachs rechnet für 2026 mit Brent-Preisen von nur noch 56 USD/B im Jahresmittel. WTI Crude wird bei nur 52 Dollar gesehen. Allerdings betonen Analysten, dass geopolitische Eskalationen stets für Preissprünge sorgen können.
- Morgan Stanley hat seine Preisprognose für Brent Rohöl für das 1. Halbjahr 2026 von 57,50 auf 60 US-Dollar je Barrel angehoben. Die Analysten begründen das mit der Entscheidung der OPEC+, Quotenerhöhungen in Q. I 2026 auszusetzen, sowie mit den jüngsten Sanktionen der USA und der EU gegen russische Ölausfuhren.
- J.P. Morgan prognostiziert für Brent Rohöl in 2026 einen Jahresmittelpreis von 58 USD/B.
Die Bank hält es im Extrem für möglich, dass die Ölpreise in den nächsten 2 Jahren schrittweise um die Hälfte absinken. Also auf ein Niveau bis unter 35 USD/Barrel. Mit geringer werdendem Nachfragezuwachs bei gleichzeitig aber steigendem Ölangebot drücken die Marktkräfte das Preisniveau immer stärker abwärts. Die Frage ist, welche strategischen und politischen Gegenmaßnahmen überhaupt diesem strukturellen Ungleichgewicht entgegenwirken können? - Bei Westpac Banking hält man an der Einschätzung fest, dass sich die Rohölpreise zunächst zwischen 60 und 65 Dollar je Barrel weiterbewegen. Für Anfang 2026 erwartet man dann einen Durchbruch unter die Preisschwelle von 60 Dollar.
Monatsreports Dezember/Januar
Monatsbericht Januar der EIA:
- Die EIA sieht in Ihrem Januar-Report für 2026 einen noch höheren Angebotsüberhang (bärisch).
- Ihre Prognose für den Ölmarktüberschusss hat die EIA von 2,3 auf 2,8 Mio. Barrel/Tag raufgesetzt.
Monatsbericht Januar der OPEC:
- Die OPEC sieht für 2026 ein Nachfragewachstum von 1,4 Mio. Barrel/T und für 2027 von +1,3 Mio. B/T. Die Erwartungen zum Angebotszuwachs wurden bei +0,6 Mio. B/T belassen.
- Für Dezember nennt der Bericht eine OPEC-Produktion von 28,6 Mio. B/T (+110.000 Barrel/T zum Vormonat).
- Insgesamt sieht die OPEC weiterhin den Ölmarkt optimistischer als die EIA und die IEA.
Monatsbericht IEA von Dezember:
- Die Überversorgung für 2026 wird von der IEA fast doppelt so hoch gesehen wie die Prognose der EIA. Der Angebotsüberschuss auf dem Ölweltmarkt soll laut IEA von 2,5 Mio. Barrel/Tag in 2025 auf bis zu 4,0 Mio. B/T massiv weiter ansteigen.
- Weiter gibt die IEA die global zwischengelagerten Ölmengen mit knapp acht Milliarden Barrel an, bei Tendenz weitergehend stark ansteigend.
Ukraine-Krieg fortdauernd
- Preiseinfluss: Jeder positive Fortschritt in den Gesprächen über einen Ukraine-Friedensplan mit Kriegsende birgt für die Ölpreise ein Abwärtsrisiko. So reflektiert der Markt.
- Ukraine-Friedensbemühungen: Beim Treffen der „Koalition der Willigen“ Anfang Januar verständigte man sich auf umsetzbare Sicherheitsgarantien für Kiew. Moskaus Standpunkt diesbezüglich ist allerdings eine Zurückweisung.
- Die Ukraine versucht mit Drohnenangriffen auf russische Raffinerien, Pipelines und Ölterminals den Angreifer zu schwächen. Teils waren über 25 % von Russlands Raffinerieanlagen beschädigt und offline.
- Russland greift massiv auch die Infrastruktur der Ukraine an. Vor allem die Strom- und die Wärmeversorgung. Wichtige Städte im Südosten der Ukraine sind schwer umkämpft und könnten an die Russen fallen.
- Die EU ist dabei, ein 20. Sanktionspaket gegen Russland zu schnüren. Die Ukraine soll Sicherheitsgarantien, Mittel zur Beseitigung der Kriegsschäden und einen Weg zu einem raschen EU-Beitritt erhalten. In Brüssel wird unter anderem über einen NATO-ähnliches Verteidigungskollektiv als Sicherheitsgarantie nachgedacht.
- Mit ihrem 19. Paket hat die EU Russlands Schattenflotte stärker sanktioniert und den Kauf russischer Energie weiter eingeschränkt. Bis 2027 will man auf russische Gaslieferungen vollständig verzichten.
US Ölmarkt
- Die Ölförderleistung in den USA hatte im November einen neuen Rekordwert von 13,86 Mio. Barrel Rohöl erreicht. Die USA sind mit Abstand die Nr. 1 bei den Fördermengen. Im Januar ist sie auf 13,75 etwas zurückgegangen.
- Nach Einschätzung von Diamondback Energy, dem größten unabhängigen US Schieferölförderer, dürfte die Förderleistung in den meisten Regionen in 2026 ihren Höhepunkt erreicht haben. Die Möglichkeit des Abrutschens der Ölpreise auf nur 60 Dollar/B bewirken Vorsicht und Zurückhaltung bei den Neuinvestitionen.
- Neben der Schieferöl-Produktionsmengen wächst auch die Ölförderung im Golf von America (Golf von Mexico) deutlich an. In 2026 könnte dort ein Allzeithoch von 2,6 Mio. B/T erreicht worden sein. Projekte zur Kohlenstoffabscheidung und deren Tiefenspeicherung sollten nächste Schwerpunkte der Offshore-Entwicklungen sein. Hinter allem steht mit Trump im Amt aber ein großes Fragezeichen.
- Kanada sucht sich für sein Öl neue Märkte außerhalb der USA. Zukünftig soll sehr viel kanadisches Öl und Gas nach Europa, Japan und vor allem auch China gehen. Man will raus aus der Lieferabhängigkeit von den USA. Dazu soll die 'Trans Mountain Pipeline' von Edmonton zu den Tankerverladungen in Vancouver auf etwa 50% mehr Durchsatz ausgebaut werden. China zeigt zunehmend großes Interesse an Kanadas saurem Rohöl.
Endzeit der Dollar-Dominanz
- Chinas offizielle Goldreserven liegen bei 2.290 Tonnen. Ein atemberaubender Anstieg um 61% in nur wenigen Jahren. Und wahrscheinlich sind die tatsächlichen Mengen noch deutlich höher. Zudem haben chinesische Versicherungsunternehmen Gold für 27 Milliarden Dollar gekauft. Auch trennen sich Chinas Bürger von ihren Yuan Rücklagen und kaufen händeringend Gold, da ihr Vertrauen in die heimische Wirtschaft schwindet. In China läuft eine der aggressivsten Goldhortungsphasen der modernen Geschichte. Das wird zu einem Akt wirtschaftlicher Kriegsführung. China bereitet die Bühne für den Sturz der globalen US-Dollars Dominanz vor.
- Jahrzehntelang war die Welt gezwungen, ihr Öl und viele andere Wirtschaftsgüter in US-Dollar zu kaufen. Dieses System stützte Amerikas wirtschaftliche Dominanz und ermöglichte es, unvorstellbare Geldsummen ohne unmittelbare Konsequenzen zu drucken. Jetzt reißt aber China dieses Fundament auseinander. Goldbarren ersetzen die Dollarrücklagen. Saudi-Arabien akzeptiert bereits den Yuan für seine Ölverkäufe und bricht damit mit der Petrodollar-Tradition. Die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) entwickeln aktiv eine goldgedeckte Konkurrenz-Währung.
- Die Folgen für die USA werden verheerend sein. Die Nachfrage nach US-Dollar wird abflauen. Staaten werden keine Dollar-Sicherheiten mehr brauchen, wenn es goldgedeckte Alternativen gibt. Staatsanleihen-Auktionen werden scheitern, was die Fed dann dazu zwingt, mehr Geld zu drucken. Und das läuft unweigerlich in eine Dollar-Entwertung.
- Gold ist nicht mehr nur ein Investitions- und Absicherungsgut. Gold wird das Fundament für eine neues globales Finanzmarktsystem werden.
World Oil Outlook der OPEC
- Die OPEC hat in ihrem vielbeachteten jährlichen 'World Oil Outlook' die Prognosen für die mittel- und längerfristige Ölnachfrage angehoben.
- Bis 2050 soll der weltweite Ölbedarf demnach noch auf 120 Mio. Barrel/Tag ansteigen. Auch soll der Anteil an Verbrennungsmotoren in 2050 noch bei über 70% liegen, getrieben von Ländern, die nicht der OECD angehören.
- Damit widerspricht die OPEC grundsätzlich den Outlook-Berichten der IEA und von BP, die einen erheblichen Ölbedarfsrückgang sehen.
- Exxon Mobil hingegen geht für 2050 von einem ähnlich hohen Ölbedarf wie heute aus und schätzt, dass dieser bis 2050 kontinuierlich bei über 100 Mio. Barrel/Tag bleiben wird.
- Allerdings sehen mehrere andere Ölkonzerne das Hochplateau bereits in den dreißiger Jahren, und damit früher erreicht.
Klimagefahren
- Energiebedarf + Energieerzeugung bis 2050:
Laut McKinsey Studie werden die fossilen Brennstoffe auch in 2050 die Energieerzeugung dominieren. Öl, Gas und Kohle werden den weltweiten Energiemix noch auf Jahrzehnte anführen (müssen), da der Strombedarf in schnellerem Tempo steigt als die Umstellung auf erneuerbare Energien.
Der weltweite Strombedarf wird vor allem aufgrund des Mehrbedarfs in der Industrie und im Gebäudesektor von 20 - 40 % bis 2050 ansteigen. Nordamerikanische Rechenzentren tragen dabei am meisten zu diesem Anstieg bei. McKinsey geht davon aus, dass fossile Brennstoffe im Jahr 2050 etwa 41 - 55 % des weltweiten Energieverbrauchs ausmachen werden. Das ist zwar weniger als die heutigen 64 %, aber höher als frühere Prognosen. - 'World Enery Outlook' der IEA:
Die Kombination aus einer voranschreitenden Energiewende, gepaart mit strukturellen Veränderungen der Weltwirtschaft, wird in der Zukunft erhebliche Auswirkungen auf den Öl- und Gasweltmarkt haben. Die Pariser Klimaziele bleiben aber ohne die internationale Zusammenarbeit absolut unerreichbar!
Die Welt erlebt jedes Jahr von neuem eine höhere Durchschnittstemperaturen im zehntel Grad-Bereich.
- Die Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass die Ölnachfrage noch ein weiteres Jahrzehnt weiter ansteigen wird. Mit BIP-Wachstum und höherem Gesamtenergiebedarf bestehen für die Dekarbonisierung gigantische Herausforderungen, besonders auch für den Flugverkehr und für petrochemische Produkte.
- Die Investitionen in erneuerbare Energien müssen vervierfacht werden, um die Klimaziele von Paris zu erreichen.
Die IRENA (International Renewable Energy Agency) hat berechnet, dass sich die weltweiten Investitionen in Technologien zur Energiewende auf 5 Billionen jährlich vervierfachen müssten, um den Temperaturanstieg auf +1,5 °C zu begrenzen. Täte man das nicht, käme das unsagbar teurer mit katastrophalen Folgen.
Laut UN ist kein „glaubwürdiger Weg“ beschritten, um den Anstieg der globalen Temperaturen bis 2040 auf 1,5°C über dem vorindu[s-]trieellen Niveau zu begrenzen. Beim derzeitigen Kurs werden sie bis 2050 um 2,8°C ansteigen.
- Die Europäische Union verschärft nochmals ihre Ziele für die erneuerbaren Energien. Die EU ist dabei die Zielschwelle für den Anteil der Energieerzeugung aus Erneuerbaren bis 2030 von 32% auf 42,5 % anzuheben. Das gleiche Anteilsziel wird für die Wasserstofferzeugung aus Erneuerbarer Energie gesetzt.
- Auch der Weltklimarat schlug mit seinem jüngsten Bericht Alarm hinsichtlich einer unbestreitbar beschleunigten Klimaerwärmung. Demnach könnte eine Erderwärmung um 1,5 Grad bei aktueller Entwicklung bereits bis 2030 erfolgen. Bislang hatte man damit erst etwa zehn Jahre später gerechnet. Dieses ist weder umkehrbar noch stoppbar. Diese Prozesse können mit größten Anstrengungen lediglich verlangsamt werden.
Und statt zu sinken, steigen die globalen CO2-Emissionen. Die globale Erwärmung schreitet noch schneller voran als vorausberechnet. Deren Folgen werden verheerend(!) ausfallen.
- Die Menschheit ist auf dem unverantwortlich kritischen Weg, bis zum Jahr 2030 doppelt so viel an fossilen Brennstoffen zu verbrennen, wie verkraftbar wäre um die Erderwärmung unter +1,5 °C zu halten. Auch diese Zahl wird bereits gravierende und umwälzende Folgen für das globale Ökosystem mit sich bringen. Diese Auswirkungen sind absolut unumkehrbar und niemals wieder gutzumachen. "Wir stecken in einem tiefen Loch - und wir müssen sofort aufhören zu graben", beschwört das unabhängige Stockholm Environment Institute (SEI).
Wasserstoff / E-Fuels: Neue Projekte
- In Vision soll die Nordsee zum 'Green Power House' für Europa werden.
- Der niederländische Netzbetreiber Tennet will mit Milliardeninvestitionen den Ausbau von Leistungs-Stromleitungen der dortigen Windparks vorantreiben. Siemens Energy sicherte sich dabei einen Milliardenauftrag. Beide Unternehmen sprechen von einem Meilenstein für die europäische Energiewende.
- Die HH2E AG und die Schweizer MET Group haben ein Joint Venture für Entwicklung und Bau der bisher größten Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff in Europa in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) gestartet. Das Projekt soll in der ersten Ausbaustufe den Bau einer Power-to-X-Anlage der neuen Generation mit einer Kapazität von rund 6.000 Tonnen (200.000 MWh) grünem Wasserstoff pro Jahr ab 2025 umfassen. In Ausbaustufe 2 ist eine Leistung von über 1 GW ab 2023 geplant, wodurch mehr als 60.000 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr produziert und über 800.000 Tonnen direkter CO₂-Emissionen jährlich vermieden werden können. Die Gesamtinvestitionen dürften 1 Milliarde Euro übersteigen.
Gas-Lieferströme in Europa
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