Fakten + Analysen zum Ölmarkt
Ölmarktinfos und Prognosen zur Ölpreisentwicklung
Markt- und Preiseinschätzungen
- Die Bank of America erwartet, dass der Preis der Rohölleitsorte Brent im kommenden Jahr durchschnittlich bei 70 Dollar/Barrel liegen wird. Unter der Voraussetzung, dass die Straße von Hormus geöffnet bleibt, prognostiziert die Bank für 2027 ein Überangebot von einer Million Barrel Rohöl am Tag. Allerdings sind kommerzielle wie auch strategische Öllager durstig und wollen zügig aufgefüllt werden.
- Die Marktbeobachter der Citi Group sehen die Rohölpreise im ersten Quartal 2027 auf 60 bis 65 USD/B absinken.
- Die OPEC rechnet erst nach 2050 mit dem Ende des Wachstums des Weltölbedarfs.
- Die Analysten von Morgan Stanley erwarten, dass bis September rund 50% der Ölproduktion in der Golfregion wiederhergestellt sein werden und bis Jahresende dann etwa 80%.
- Die IEA (Paris) sagt, dass die weltweiten Ölbestände vor Beginn der sommerlichen Ölnachfragespitze auf kritische Niveaus zusammengeschmolzen sind. Sie bezeichnete die Ölmarktsituation im zweiten Quartal als die größte Angebotsunterbrechung in der Geschichte.
- Saudi-Aramco beziffert das Defizit auf dem Ölweltmarkt nach zwei Monaten Iran-Konflikt auf bereits eine Milliarden Barrel Rohöl.
- Die US-Großbank JP Morgan erwartet, dass die Ölpreise auch zum Jahresende noch bei 100 USD/B liegen werden, selbst wenn Hormus im Juni wieder passierbar werden würde.
- Die US‑Energiebehörde EIA rechnet mit Rohölpreisen von 90 - 100 USD/B bis in den Sommer und erst in 2027 mit einem Rückgang auf etwa 63 USD/B.
Entwicklungen und Fakten
- Laut jüngsten belastbaren Marktdaten hat die Blockade von Hormus im zweiten Quartal 2026 zu einem Angebotsdefizit von 5 bis 6 Mio. Barrel Rohöl am Tag geführt.
- Die beiden großen Volkswirtschaften China und Indien verbrauchen zusammen rund 25 Millionen Barrel Öl täglich.
- Teheran hat im Mai eine Bitcoin-gestützte Schiffsversicherung „Hormuz Safe“ für die Passage der Seestraße einführt. Das könnte dem Iran jährliche Einnahmen von 10 Milliarden Dollar bringen. Mit dem "Rahmenabkommen" mit Washington könnte das aber wieder vom Tisch sein.
- Die USA verlängern doch die Ausnahme der Sanktionen gegen russisches Öl. Mitte Mai wäre die Ausnahme das zweite Mal auslaufen sollen, ist nun aber doch verlängert worden.
- Die Anrainerstaaten am Persischen Golfs waren gezwungen ihre Ölfördermengen zu drosseln. Dortige Zwischenlager sind bis an ihre Kapazitätsgrenzen voll. Neben Saudi-Arabien sind dort nur noch die VAE in der Lage größere Ölexporte zu bewerkstelligen.
- Russland hat erstmals offiziell eingeräumt, dass seine Ölproduktion in 2026 gesunken ist. Der stellvertretende Ministerpräsident A. Nowak sagte auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg, dass einige Ölraffinerien in Russland derzeit außerplanmäßig gewartet werden. Den Grund dafür nannte er nicht.
- Der LNG-Gigant Katar fällt lange aus. Iranische Raketen- und Drohnenangriffe haben Ende März Katars LNG-Produktionsanlagen sehr schwer getroffen. Die Reparatur der Schäden wird nicht Monate sondern Jahre benötigen. Damit hat die Welt ihren größten LNG-Lieferanten für lange Zeit verloren.
- Der Ölpreis-Schock durch den Iran-Krieg hat Anfang März die globale Wirtschaft in einen Stressmodus versetzt.
Ukraine-Krieg fortdauernd
- Putins unsäglicher Krieg weitet sich mehr und mehr auch auf das russische Hinterland aus. Die Ukraine ist mit neuen Mittel- und Langstreckendrohen in seinen Angriffen auf die Raffinerien, Ölhäfen und Großtanklager erfolgreich. Auch kann man andere strategiesche Ziele treffen, sei es in Moskau, in St. Petersburg oder sonstwo tausende Kilometer entfernt. Benzin und andere Treibstoffe sind knapp und werden bereits rationiert. Putin kommt endlich unter Druck.
- Die Ukraine hat Anfang Juni in Krsanji Jar (Region Wolgorod) einen wichtigen Pipeline Knotenpunkt mit Langstreckendrohen angegriffen. Über das Pipelinesystem wird der Schwarzmerehafen Schesharis für die Ölexporte beschickt. Zudem wurde ein Öldebot auf der Krim angegriffen und stärker beschädigt.
- In den letzten Mai-Tagen konnten ukrainische Mittelstreckendrohnen ein russischen Kampfet, ein Iskander-Raketensystem, eine Pipleine-Pumpstation und ein großes Öllager weit hinter der Grenze treffen. Auch gelinkt es der ukrainischen Armee die Russen in Norden dees Donbass etwas zurückzudrängen.
- Die Ukraine hat in ihrem Abwehrkampf gegen Russland im zweiten Quartal viele Anlagen der russischen Ölindustrie erfolgreich angegriffen. Ziele waren u. a. die Hafenstadt Tuapse am Schwarzen Meer sowie Ölanlagen in Perm im Ural und in Orenburg in Süden Russlands. Russland nimmt immer wieder Kiew, Odessa und die Industriestädte im Westen des Donbass ins Visier.
- Militärfachleute meinen, dass im Ukrainekrieg keine größeren territorialen Gewinne mehr möglich sind, weder für die eine noch für die andere Seite. An der Front herrscht Stellungskrieg und Drohnenkrieg. Parallel wird im Hinterland die Infrastruktur unsäglich zerbombt.
- Die zwischenzeitlich ausgesetzten US-Sanktionen gegen Russlands Ölexporte sind seit Mitte Mai wieder in Kraft.
- Durch die Druschba-Pipeline fließt wieder russisches Öl über die Ukraine nach Ungarn und Slowenien.
- Moskau könnte im Ukraine-Krieg seine Ziele verringern. Der Kreml-Sprecher Peskov deutete Mitte April an, dass im territorialen Streit zwischen Russland und der Ukraine der Kreml gewisse Abstriche machen könnte. Es seinen weniger als 18% der Fläche der vier Provinzen im Südosten noch zu erobern. Damit hätten die Kampfeinheiten dann die Verwaltungsgrenzen erreicht und die Kriegshandlungen könnten enden, so Peskov.
Monatsberichte von EIA, OPEC, IEA
IEA-Report Juni:
- In der ersten Junihälfte lag die Ölabtransporte aus Region Persischer Golf bei rund 12 Mio. Barrel am Tag.
- Mit der Wiederöffnung der Straße von Hormus erwartet die IEA für 2027 deutlichen Angebotsüberschuss.
- Das Angebotswachstum wird in 2027 das Nachfragewachstum wieder übertreffen.
- Die Wiederauffüllung der weltweit tief gesunkenen Lagerbestände wird länger noch Marktthema sein.
OPEC-Report Juni:
- Der aktuelle OPEC-Monatsbericht ist 'weitgehend neutral' zu bewerten. Die Rohölproduktion der OPEC+ ist im Mai um -0,2 Mio. B/T auf 33,1 Mio. B/T leicht gesunken.
- Für die OECD-Ölbestände wird eine Reichweite von 60 Tagen Reserve angegeben.
- Für 2026 geht die OPEC von einen weltweiten Ölbedarfszuwachs von +1,0 Mio. B/T aus, für 2027 von +1,7 Mio. B/T.
EIA-Report Juni:
- Der neue Monatsreport der EIA ist für das zweite Halbjahr zwar 'bullisch', für 2027 aber 'bärisch' ausgefallen.
- Die Unterversorgung des Ölweltmarktes wird von der EIA inzwischen als größer angenommen, aber man erwartet in 2027 dann eine schnellere Bestandserholung mit Rückkehr zum Normalzustand.
- Ein Angebotswachstum von +10,3 Mio. B/T in 2027 soll aus der Unterversorgung von 4 Mio. B/T im laufenden Jahr dann eine Überversorgung von 4 Mio. B/T machen, was die leeren Lager zügig wieder füllen dürfte. Die Prognose basiert allerdings darauf, dass die Tankerpassagen durch die Straße von Hormus in 2027 wieder normales Niveau erreichen.
US-Ölmarkt
- Wurde zu Jahresbeginn noch das Bild von der Endphase der US-Schieferöl- u. Schiefergasförderung gezeichnet, so ist die Situation im Frühjahr 2026 plötzlich eine völlig andere. Mit dem Iran-Krieg ist die globale Versorgung mit Öl und Gas aus der Region Persischer Golf zu großen Teilen abgeschnitten. Da inzwischen längerfristig von erheblichen Angebotsdefiziten ausgegangen wird, könnte die US Schieferölbranche vor einer neuen Renaissance stehen. Trump will zwar billigeres Öl, aber dazu kommt es nicht.
- Die Ölförderleistung in den USA hatte im Oktober '26 einen neuen Rekordwert von fast 13,9 Mio. Barrel Rohöl erreicht. Die USA sind mit Abstand die Nr. 1 bei den Fördermengen, die sich im Mai bei 13,6 Mio. Barrel/Tag bewegen.
- Kanada sucht sich für sein Öl neue Märkte außerhalb der USA. Zukünftig soll sehr viel kanadisches Öl und Gas nach Europa, Japan und vor allem auch China gehen. Man will raus aus der Lieferabhängigkeit von den USA.
- Dazu hat man die 'Trans Mountain Pipeline' von Edmonton in Alberta zu den Tankerverladungen in Vancouver auf 50% mehr Durchsatz und damit 890.000 Barrel/Tag ausgebaut.
Endzeit der Dollar-Dominanz
- Über ein halbes Jahrhundert lang war die Welt gezwungen, ihr Öl und viele andere Wirtschaftsgüter in US-Dollar zu kaufen. Dieses System stützte Amerikas wirtschaftliche Dominanz und ermöglichte es, unvorstellbare Geldsummen ohne unmittelbare Konsequenzen zu drucken. Jetzt reißt aber vor allem China dieses Fundament auseinander. Goldbarren ersetzen die Dollarrücklagen. Saudi-Arabien akzeptiert bereits den Yuan für seine Ölverkäufe und bricht damit mit der Petrodollar-Tradition. Die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) entwickeln aktiv eine goldgedeckte Konkurrenz-Währung.
- Die Folgen für die USA werden verheerend sein. Die Nachfrage nach US-Dollar wird abflauen. Staaten werden keine Dollar-Sicherheiten mehr brauchen, wenn es goldgedeckte Alternativen gibt. Staatsanleihen-Auktionen werden scheitern, was die Fed dann dazu zwingt, mehr Geld zu drucken. Und das läuft unweigerlich in eine Dollar-Entwertung.
- Gold ist nicht mehr nur ein Investitions- und Absicherungsgut. Gold wird das Fundament für eine neues globales Finanzmarktsystem werden.
World Oil Outlook der OPEC
- Die OPEC hat in ihrem vielbeachteten jährlichen 'World Oil Outlook' die Prognosen für die mittel- und längerfristige Ölnachfrage angehoben.
- Bis 2050 soll der weltweite Ölbedarf demnach noch auf 120 Mio. Barrel/Tag ansteigen. Auch soll der Anteil an Verbrennungsmotoren in 2050 noch bei über 70% liegen, getrieben von Ländern, die nicht der OECD angehören.
- Damit widerspricht die OPEC grundsätzlich den Outlook-Berichten der IEA und von BP, die einen erheblichen Ölbedarfsrückgang sehen.
- Exxon Mobil hingegen geht für 2050 von einem ähnlich hohen Ölbedarf wie heute aus und schätzt, dass dieser bis 2050 kontinuierlich bei über 100 Mio. Barrel/Tag bleiben wird.
- Allerdings sehen mehrere andere Ölkonzerne das Hochplateau bereits in den dreißiger Jahren, und damit früher erreicht.
Klimagefahren
- Energiebedarf + Energieerzeugung bis 2050:
Laut McKinsey Studie werden die fossilen Brennstoffe auch in 2050 die Energieerzeugung dominieren. Öl, Gas und Kohle werden den weltweiten Energiemix noch auf Jahrzehnte anführen (müssen), da der Strombedarf in schnellerem Tempo steigt als die Umstellung auf erneuerbare Energien.
Der weltweite Strombedarf wird vor allem aufgrund des Mehrbedarfs in der Industrie und im Gebäudesektor von 20 - 40 % bis 2050 ansteigen. Nordamerikanische Rechenzentren tragen dabei am meisten zu diesem Anstieg bei. McKinsey geht davon aus, dass fossile Brennstoffe im Jahr 2050 etwa 41 - 55 % des weltweiten Energieverbrauchs ausmachen werden. Das ist zwar weniger als die heutigen 64 %, aber höher als frühere Prognosen. - 'World Enery Outlook' der IEA:
Die Kombination aus einer voranschreitenden Energiewende, gepaart mit strukturellen Veränderungen der Weltwirtschaft, wird in der Zukunft erhebliche Auswirkungen auf den Öl- und Gasweltmarkt haben. Die Pariser Klimaziele bleiben aber ohne die internationale Zusammenarbeit absolut unerreichbar!
Die Welt erlebt jedes Jahr von neuem eine höhere Durchschnittstemperaturen im zehntel Grad-Bereich.
- Die Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass die Ölnachfrage noch ein weiteres Jahrzehnt weiter ansteigen wird. Mit BIP-Wachstum und höherem Gesamtenergiebedarf bestehen für die Dekarbonisierung gigantische Herausforderungen, besonders auch für den Flugverkehr und für petrochemische Produkte.
- Die Investitionen in erneuerbare Energien müssen vervierfacht werden, um die Klimaziele von Paris zu erreichen.
Die IRENA (International Renewable Energy Agency) hat berechnet, dass sich die weltweiten Investitionen in Technologien zur Energiewende auf 5 Billionen jährlich vervierfachen müssten, um den Temperaturanstieg auf +1,5 °C zu begrenzen. Täte man das nicht, käme das unsagbar teurer mit katastrophalen Folgen.
Laut UN ist kein „glaubwürdiger Weg“ beschritten, um den Anstieg der globalen Temperaturen bis 2040 auf 1,5°C über dem vorindu[s-]trieellen Niveau zu begrenzen. Beim derzeitigen Kurs werden sie bis 2050 um 2,8°C ansteigen.
- Die Europäische Union verschärft nochmals ihre Ziele für die erneuerbaren Energien. Die EU ist dabei die Zielschwelle für den Anteil der Energieerzeugung aus Erneuerbaren bis 2030 von 32% auf 42,5 % anzuheben. Das gleiche Anteilsziel wird für die Wasserstofferzeugung aus Erneuerbarer Energie gesetzt.
- Auch der Weltklimarat schlug mit seinem jüngsten Bericht Alarm hinsichtlich einer unbestreitbar beschleunigten Klimaerwärmung. Demnach könnte eine Erderwärmung um 1,5 Grad bei aktueller Entwicklung bereits bis 2030 erfolgen. Bislang hatte man damit erst etwa zehn Jahre später gerechnet. Dieses ist weder umkehrbar noch stoppbar. Diese Prozesse können mit größten Anstrengungen lediglich verlangsamt werden.
Und statt zu sinken, steigen die globalen CO2-Emissionen. Die globale Erwärmung schreitet noch schneller voran als vorausberechnet. Deren Folgen werden verheerend(!) ausfallen.
- Die Menschheit ist auf dem unverantwortlich kritischen Weg, bis zum Jahr 2030 doppelt so viel an fossilen Brennstoffen zu verbrennen, wie verkraftbar wäre um die Erderwärmung unter +1,5 °C zu halten. Auch diese Zahl wird bereits gravierende und umwälzende Folgen für das globale Ökosystem mit sich bringen. Diese Auswirkungen sind absolut unumkehrbar und niemals wieder gutzumachen. "Wir stecken in einem tiefen Loch - und wir müssen sofort aufhören zu graben", beschwört das unabhängige Stockholm Environment Institute (SEI).
Wasserstoff / E-Fuels: Neue Projekte
- In Vision soll die Nordsee zum 'Green Power House' für Europa werden.
- Der niederländische Netzbetreiber Tennet will mit Milliardeninvestitionen den Ausbau von Leistungs-Stromleitungen der dortigen Windparks vorantreiben. Siemens Energy sicherte sich dabei einen Milliardenauftrag. Beide Unternehmen sprechen von einem Meilenstein für die europäische Energiewende.
- Die HH2E AG und die Schweizer MET Group haben ein Joint Venture für Entwicklung und Bau der bisher größten Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff in Europa in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) gestartet. Das Projekt soll in der ersten Ausbaustufe den Bau einer Power-to-X-Anlage der neuen Generation mit einer Kapazität von rund 6.000 Tonnen (200.000 MWh) grünem Wasserstoff pro Jahr ab 2025 umfassen. In Ausbaustufe 2 ist eine Leistung von über 1 GW ab 2023 geplant, wodurch mehr als 60.000 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr produziert und über 800.000 Tonnen direkter CO₂-Emissionen jährlich vermieden werden können. Die Gesamtinvestitionen dürften 1 Milliarde Euro übersteigen.
Gas-Lieferströme in Europa
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